Mexican highlife

Die ersten Sonnenstrahlen dringen durch die Baumkronen circa 20 Meter über mir und die Geräuschkulisse welche es so nur im Wald gibt, perfektionieren die ersten 10 Sekunden nach dem Wach werden. Ich kann nicht genug bekommen von dem Blick direkt vom Schlafsack aus durch das Mesh vom Innenzelt raus in die Natur. Eigentlich sollte man Häuser so bauen… obwohl das in der Schweiz dann doch etwas kalt werden könnte 😉
Ich muss raus da ich beim gestrigen Kartenspiel gegen Christian, einen anderen Radreisenden aus der Schweiz, verloren habe und nun Kaffee kochen muss. Wir haben uns vor etwas mehr als einer Woche am Fusse des vierthöchsten Berg Mexikos, dem Nevado de Toluca, getroffen und seither die weitere Strecke gemeinsam bezwungen. Heute werden wir die bunte Kolonialstadt Oaxaca im Süden Mexikos erreichen und uns somit mal wieder ein paar Ruhetage gönnen. Leider ist dies aber auch schon bereits die letzte Station welche wir zu zweit erreichen werden, da Christian von hier aus mit seiner Freundin weiterreisen wird. Glück ist das einzige was sich verdoppelt, wenn man es teilt, und so hatten wir eine Menge lustige Momente in den letzten Tagen. Dennoch freue ich mich auch wieder alleine unterwegs zu sein, da man so komplett frei ist und keine Kompromisse eingehen muss. Aber was ist eigentlich alles passiert in den letzten über zwei Monaten seit dem letzten Blogbeitrag? Also hier mal von vorne.

Nach 2.5 langen Monaten “Stillstand” in Guadalajara ging es Ende Januar endlich zurück auf die Strasse. Nach so langer Zeit fiel mir der Abschied von meiner Gastfamilie sehr schwer und obwohl Mexiko nicht gerade um die Ecke liegt, bin ich sicher, hier früher oder später wieder vorbeizukommen.
Als erstes möchte ich jetzt aber zurück in die Natur – aber so richtig. Da bietet sich der über 4000 Meter hohe Nevado de Colima oder den Nevado de Toluca gerade so richtig an. Ersterer liegt südlich von Guadalajara und somit muss zuerst einmal die zweitgrösste Stadt Mexikos vollständig durchquert werden. Sicher lotst mich das GPS auf dem Lenker durch die kleinen Gassen der Innenstadt, allerdings erkennt dieses leider nicht die zahlreichen “Topes” (Geschwindigkeitshubel) sowie Schlaglöcher. Es dauert mehrere Stunden bis ich endlich den Fluglärm über mir habe und somit weiss dass der Flughafen im Süden der Stadt nicht mehr weit sein kann. Das Tagesziel für heute ist Ajijic am Chapala See wo ich bei einer Kollegin übernachten kann. Geplant ist eigentlich nur eine Nacht, da ich jedoch so viele Sachen noch bei der Gastfamilie in Guadalajara vergessen habe, werden es dann doch zwei Nächte.
Von Ajijic aus geht es durch eine ausgetrocknete Lagune weiter nach Süden. Das Fahren auf dem harten Sandboden fühlt sich gleich ein bisschen an wie das Radfahren am Burning Man Festival – nur mit dem Unterschied dass hier nicht tonnenweise Kunstobjekte rumstehen und alles leuchtet und Flammen spukt. Mitten durch die Lagune führt ein vierspuriger Highway, welcher allerdings links und rechts von einem Zaun umgeben ist. In einem Anflug von Motivation versuche ich tatsächlich die fast 65kg schwere Chocolate über diesen Zaun zu heben, was natürlich grossartig misslingt. Chocolate verheddert sich mit dem Zaun und nun dürfen nicht nur alle Taschen abgenommen werden, sondern auch noch die Schutzbleche wieder gerade gebogen werden. Und das alles mit “Publikumsverkehr” vom Highway nebenan. Schöne erste Tage auf dem Bike… 

Auf den Nevado de Colima führt eine ziemlich steile Kiesstrasse und eigentlich wäre es möglich die komplette Strecke mit dem Rad hochzufahren. Mit einem extrem schweren Reiserad allerdings sieht das Ganze schon etwas anders aus. So entscheide ich mich das Dorf anzufahren, welches am nächsten zum Berg liegt und dort in den “Tiendas” nach einem Asyl für Chocolate nachzufragen und anschliessend die 17km zu Fuss hochzuwandern. Direkt gegenüber vom Nevado de Colima liegt der aktivste Vulkan Mexikos, der Volcan de Colima (macht Namenstechnisch Sinn), welcher nur wenige Meter kleiner ist. An schönen Tagen kann man diesen vom Berggipfel aus beobachten wie er tonnenweise Schutt und Rauch in den Himmel katapultiert. Mein Plan ist daher, bis zum Abend den Gipfel zu erreichen und anschliessend direkt auf dem Gipfel mit schöner Aussicht auf den Vulkan zu zelten. Das Panorama aus dem Zelt müsste absolut einzigartig sein! Allerdings könnte das Wetter hier einen Strich durch die Rechnung machen, denn der Gipfel ist von vielen dunkelgrauen Wolken verhangen. Dennoch wage ich den Versuch und gleich bei der ersten Tienda wird mir einen Platz für Chocolate angeboten. Noch schnell den Rucksack mit Campingutensilien und Proviant beladen und los geht die lange Wanderung. Bereits kurz nach der Abzweigung auf die Bergstrasse hält ein Pick Up Truck neben mir und bietet mir eine Fahrt zum Gipfel an. Aufgrund der unsicheren Wetterverhältnissen sage ich sofort zu, und so beginnt eine holprige Fahrt auf der Ladefläche hoch bis zum Gipfel. Der Fahrer scheint gerade eine Rally durch die vielen Haarnadelkurven zu fahren und mehrmals hebe ich komplett von der Ladefläche ab. Nur die Seitenwände verhindern einen Abflug ins Gebüsch. Je höher wir fahren, umso schlechter wird das Wetter. Der Regen setzt bereits ca. 5km vor dem Gipfel ein, und wird so schnell auch nicht mehr aufhören. Zudem nimmt die Temperatur mit der zunehmenden Höhe ebenfalls rapid ab. Also wir beim Parkplatz auf 3400MüM ankommen, ist die Motivation für das Wandern auf den 4220 Meter hohen Gipfel bereits am Nullpunkt angekommen. Dennoch stapfe ich durch den weichen Waldboden in Richtung Gipfel. Aufgrund der Wolken ist eine Sicht auf mehr als 200 Meter unmöglich und es ist schwer zu sagen wo denn nun Norden oder Süden ist. In einem kleinen Pavillon entscheide ich mich zur einer kurzen Pause im Trockenen und überdenke nochmals das ganze Vorhaben. Unten im Tal wäre wildzelten auf flachem trockenen Boden bei ca. 20 Grad möglich, während hier oben auf dem Gipfel die Temperatur jetzt schon nur knapp über dem Nullpunkt liegt und es unnachgiebig regnet. Somit wäre etwas Schnee morgen früh nur logisch. Und der Wetterbericht hat keine richtig klare Vorhersage für den nächsten Tag bereit… also entscheide ich mich gegen das Vulkanpanorama welches ich evtl. mit etwas Glück am nächsten Tag geniessen könnte, und mache mich wieder auf den Weg zurück ins Tal, zurück in die Wärme. Eine Mitfahrgelegenheit ist glücklicherweise wieder schnell gefunden, und so sitze ich bereits eine Stunde nach Ankunft am Gipfel wieder in einem Auto mit unbekannten Mexikaner, welche in Rekordtempo Spanisch mit mir sprechen. Ähm und ich dachte so langsam könnte ich die Sprache… naja mit Hilfe von etwas Händen und Füssen sowie Google Translator klappt die Konversation dann doch und es werden noch lustige 30 Minuten Autofahrt bis wir wieder am Fusse des Berges stehen. Nach einer herzlichen Verabschiedung (das kann ich mittlerweile auf Spanisch), stehe ich wieder vor der Tienda um Chocolate abzuholen. Nach kurzem umpacken geht es flott einige Höhenmeter weiter runter an den vorerst tiefsten Punkt der geplanten Route, wo es versteckt hinter einem Maisfeld einen idealen Campingplatz gibt. Der Entscheid zurück ins warme und trockene Tal zu gehen war gut, obwohl der Himmel am nächsten Tag (natürlich) strahlend blau war und die Sicht auf die weisse Spitze des Nevado de Colima sowie auf den Vulkan daneben atemberaubend war.

Wandern Level Loco

Direkt am nächsten Tag geht es über eine kleinere Strasse in den Bundesstaat Michoacan, welcher einer der ärmsten aller mexikanischen Bundesstaaten ist und für mich bereits den sechsten bereisten Bundesstaat darstellt. Viele Touristen zieht es an die Küste von Michoacan, bei welcher Traumstrände und vor allem Traumwellen die Urlauber erwarten. Dies aber vor allem auch, da Michoacan als sehr gefährlich für Touristen bekannt ist und nur die Strände als sicher eingestuft werden. Dabei ist gerade die nördliche und vor allem bergige Region von diesem Bundesstaat einen Besuch absolut Wert. Die Kolonialstädte Morelia sowie Patzcuaro bereichern jede Mexiko Reise, sehen aber trotzdem nur wenige Touristen. Zudem steht hier auch der jüngste Vulkan Mexiko’s, den Paricutin, welcher erst 1943 entstanden ist. Genau dieser Vulkan ist mein nächstes Ziel, und so geht es über eine perfekte Strasse mit wenig Verkehr über die zahlreichen Hügel Michoacan’s. Wenige Tage nachdem ich den Nevado de Colima verlassen habe erreiche ich das kleine Bergdorf Uruapan, welches damals aufgrund seiner etwas höheren Lage nur knapp von der Lava verschont blieb. Direkt davor erstreckt sich ein 233km2 grosses Lava Feld, welches die Dörfer Paricutin sowie San Juan Parangaricutiro komplett verschluckte. Von letzterem ist nur noch der Kirchturm sowie ein paar Mauern der Kirche übrig. Der Vulkan selbst ist per Pferd oder zu Fuss innerhalb einer Tageswanderung erreichbar. Die genau richtige Abwechslung zum Radfahrer-Alltag, und so starte ich am frühen nächsten Morgen den Abstieg runter auf das Lava Feld. Die Kraft welche in so einem “Lava-Tsunami” steckt ist unglaublich und die Überreste der Kirche machen dies mehr als nur deutlich. Ich möchte jedoch auch den Übeltäter erkunden, und so geht es auf die lange Wanderung in Richtung Vulkan.

Dieser ist nur wenige Kilometer entfernt, da der Wanderweg jedoch über tausende von grossen, scharfen und spitzigen Lavabrocken führt, sind mehrere Stunden für die kurze Distanz nötig. Das Wandern hier lässt sich überhaupt nicht mit einer Wanderung in der Schweiz vergleichen. Eine Beschilderung fehlt komplett, nur kleine gelbe oder weisse Punkte auf den Steinen weisen den richtigen Weg. Diese sind in dem riesigen Feld praktisch unsichtbar und die Steine selbst sind sehr oft lose, was jeden Schritt zu einem kleinen Abenteuer macht. Nach knapp 4 Stunden erreiche ich den Fuss des Vulkans und klettere in dem nun weichen schwarzen Sand die letzten Meter zum Krater hoch. Obwohl der letzte Ausbruch 1952 war, dampft es noch immer ganz schön dort oben und die Steine sind extrem heiss. Ein aufziehendes Gewitter beendet leider die Erkundungstour schneller als wie geplant, und so beginne ich den Abstieg zurück ins Dorf etwas früher als erwartet. Die ganzen Anstrengungen war es aber definitiv Wert!

Dünne Luft

Die nächsten Tage erwarten mich weitere hügelige Bergstrassen durch das Hinterland von Michoacan. 1000 Höhenmeter pro Tag werden so schon fast zur Normalität, und das spüre ich auch in den Beinen, welche sich nach über 2 Monaten Pause an solche Strapazen nicht mehr gewöhnt sind. Sowieso fühlt es sich so an, als hätte ich vor der Pause keine 26’000km zurückgelegt, sondern eher wie das erste Mal auf einem Fahrrad. Aber aus Erfahrung weiss ich, dass auch dies vorbeigeht und früher oder später diese Strapazen zum völlig normalen Alltag werden. Nach mehreren Tagen geht es über eine weitere hohe Bergkette raus aus dem Michoacan und rein nach Estado de Mexico, welcher Mexico City wie ein umgekehrtes Hufeisen umgibt. Die letzten Kilometer in Michoacan haben es allerdings nochmals in sich, denn die Strasse geht so Steil den Berg hoch, dass sie nur mit Slalomfahren bezwungen werden kann.
Die Ruhetage in der Grossstadt Toluca fühlen sich daher gleich umso besser an, besonders, wenn das nächste grosse Ziel bereits vor einem mächtig in den Himmel ragt. Der Berg Nevado de Toluca thront wie eine riesige Bedrohung über der Stadt und auch er – welch ein Wunder – ist ein ehemaliger Vulkan, welcher allerdings seit ca. 1350 v. Chr. nicht mehr aktiv ist. Mit 4680MüM ist er der vierthöchste Berg Mexikos und als grosses Highlight führt eine Strasse direkt bis hinein in den Krater. Eine Herausforderung für jeden Radfahrer und sonstigen Sportfanatiker! Also packe ich nach zwei guten Ruhetagen wieder die Taschen und los geht die lange Fahrt nach oben. Kurz ausserhalb der Stadt lerne ich Christian kennen, einen weiteren Radreisenden aus der Schweiz – und der erste Radreisende aus der Schweiz welchen ich seit fast 22 Monaten Reisen treffe! Gemeinsam bezwingen wir mühselig Höhenmeter für Höhenmeter. Bald schon geht es von der asphaltierten Strasse auf einen Feldweg in erstaunlich gutem Zustand. Mit gemächlichem Tempo schlängeln wir uns die Strasse hoch und erreichen am späteren Nachmittag die 4000hm Marke, den mit Abstand höchsten Punkt auf der bisherigen Reise. Bis zum Parkplatz wo wir hinter einer Schutzhütte campieren können (müssen), sind noch weitere 150hm zu überwinden. Die Atmung hier oben fällt schwer und die restlichen Höhenmeter sind deutlich schwieriger zu überwinden. Wir geniessen einen Sonnenuntergang mit Weitblick und Dank der Stadt Toluca ein Meer von Lichter direkt unter uns. Die Auswirkungen des Sauerstoffmangels sind selbst ohne Anstrengungen spürbar, denn selbst im Schlafsack arbeitet das Herz noch auf Hochtouren als würde ich gerade einen Marathon laufen.

Der folgende Tag beginnen wir mit einem der schönsten Sonnenaufgängen der bisherigen Reise und einem Blick auf den rauchenden Vulkan Popocatepl (zweithöchster Berg Mexikos). Dazu gibt es frisch gebrauten Kaffee sowie Energieriegel. Als um kurz vor 9 Uhr die ersten Wanderer auf dem Parkplatz eintreffen, beginnen auch wir unsere Wanderung auf den Gipfel. Die Fahrräder bleiben auf dem Parkplatz, dafür folgt uns den ganzen Tag über der Hund von der Alphütte, welchen wir erst am Abend nach einer langen Verfolgungsjagd über 10 Kilometer erst wieder loswerden. Da hätte ich ihm wohl besser nicht einen halben Energieriegel abgegeben…
Gegen den späteren Nachmittag und mit dutzenden neuen Fotos und Videos verlassen wir den Nevado de Toluca wieder und begeben uns auf die lange Abfahrt zurück nach Toluca. Christian und ich beschliessen auch die weiteren Kilometer gemeinsam zu fahren, da wir beide als nächstes Ziel Oaxaca vor Augen haben. Um diese Stadt zu erreichen, sind nochmals ein paar hundert Kilometer und mehrere tausend Höhenmeter zu bezwingen. Aber zuerst geniessen wir ein paar Ruhetage in Mexico City, nachdem wir den Verkehr rein in die Millionenmetropole überlebt haben.

Da ist der Wurm drin!

Die Ruhetage in Mexico beginnen gut… mit Mezcal (das ist der Tequila mit dem Wurm drin) und neuen Freunden. Wir werden herzlich aufgenommen bei Freunden von Christian, welche er damals in Baja California kennengelernt hat. Die Grossstadt bietet alles was das Radlerherz begehrt – fettiges, kalorienreiches Essen, unzählige Bikeshops und natürlich das wohlverdiente “Gipfelbier”. Trotz diesen Annehmlichkeiten wird es nach zwei Ruhetagen Zeit wieder in die Pedalen zu treten. Wir verlassen Mexiko City in Südöstlicher Richtung mit der nächsten Challenge vor Augen, dem 3400 Meter hohen Paso de Cortes. Da die Stadt in einem Talkessel liegt, muss man zwingend ein paar Höhenmeter überwinden um wieder hinauszugelangen, wobei die tieferen Pässe alle von verkehrsüberlasteten Highways blockiert sind. Der Paso de Cortes ist so ziemlich die höchste Strasse um die Stadt zu verlassen, aber auch ganz sicher die schönste. Denn links und rechts ragen die Nummer zwei und drei der höchsten Berge Mexikos in den Himmel – den Iztaccihuatl (5230m) sowie den Popocatepl (5426m). Letzterer ist ein noch immer sehr aktiver Vulkan, und so kann es durchaus sein, dass eine etwas grössere Rauchwolke an manchen Tagen für etwas Schatten beim Aufstieg zum Pass sorgt. Als wir das Städtchen Amecameca am späteren Nachmittag erreichen, ist der Vulkan allerdings ziemlich ruhig und nur ein kleines Wölkchen hängt über seiner Spitze. Wir finden Unterschlupf bei den örtlichen Bomberos (Feuerwehr) und verbringen somit eine sehr entspannende Nacht. An den Wänden hängen Plakate welche den Evakuations-Ablauf beschreiben, falls der Popocatepl mal wieder ausbrechen sollte. Zurzeit ist der Berg ruhig, das kann sich jedoch jederzeit ändern… hoffen wir mal, dass dies so bleibt, wenn wir nur wenige Kilometer von seinem Krater vorbeiradeln werden.

Nach dem obligatorischen Foto mit den Bomberos am nächsten Morgen, geht es erstaunlich einfach die Passstrasse hinauf. Da es mitten unter der Woche ist, sind praktisch keine Autos unterwegs und wir geniessen das Radfahren ohne Abgase und Lärm, nachdem wir so lange auf grossen Highways unterwegs waren. Ein Blick an den Horizont bestätigt, dass die Passstrasse genau durch die Mitte der beiden grossen Berge verläuft, und nur wenige Quellwolken verdecken den Blick auf dessen schneebedeckte Gipfel. Der grösste Teil der Strasse verläuft durch einen Wald und somit kann der Pass relativ gut geschützt von der Sonne erreicht werden. Bis wir allerdings diesen erreichen, haben sich die Quellwolken so stark verdichtet, dass die Sonne gar nicht mehr sichtbar ist – und somit leider auch die Berggipfel. Schade, denn das Panorama von nächster Nähe muss nochmals einiges schöner sein als wie vom Tal.
Nach einer holprigen Abfahrt erreichen wir gegen den späteren Abend die Stadt Puebla in welcher wir einen weiteren Ruhetag verbringen werden, bevor es dann über den kostenpflichtigen Highway runter nach Oaxaca geht. Wir geniessen das Radfahrer-Nomaden-Leben nochmals so in grossen Zügen und campieren wo es uns gerade gefällt, duschen wo es gerade geht und kochen was wir gerade so finden. Nur steckt leider auf den letzten Kilometern ein bisschen der Wurm drin, denn wir kämpfen irgendwie so beide mit kaputtem Equipment. Als absolute “Heavy-User” macht sich der tägliche Gebrauch unserer Ausrüstung nach so langer Reisezeit bemerkbar, und so hat Christian mehrere gebrochene Schnallen an den Ortlieb-Taschen (dieses Problem hatte ich ebenfalls in den USA) sowie einen gebrochenen Nabenflansch an der Rohloff-Nabe. Letzteres ist ein ziemlich grosses Problem, da es keine Ersatzteile in Mexiko gibt und somit alles eingeflogen werden muss – Zwangspause! Bei mir gibt die Pumpe des Benzinkochers seinen Geist auf, was ebenfalls ein etwas grösseres Problem darstellt, da es ebenfalls keine Ersatzteile in Mexiko gibt und das Reisen ohne Kocher ziemlich umständlich wird. Somit hängen wir nun beide mit den Herstellern in ständigem Kontakt und klären die Reparatur-Möglichkeiten ab. Hoffen wir mal dass der Wurm in Mexiko nur im Tequila ist und sich für die anderen Würme eine Lösung finden lässt!

What’s next?
Nach Oaxaca geht es für mich wieder alleine weiter und ab über die Bergkette zurück zum Pazifik. An einem schönen Strand möchte ich meinen Geburtstag verbringen, bevor es dann (endlich) auf die letzten Kilometer auf mexikanischem Boden geht. Läuft alles gut, sollte ich nach etwas mehr als 5 Monaten in Mexiko Guatemala erreichen und somit Zentralamerika. Der lange Aufenthalt in Mexiko zwingt mich das Tempo etwas zu erhöhen um Patagonien noch im kurzen Zeitfenster des guten Wetters zu erreichen. Aber dazwischen sind ja noch so viele Sachen zu machen und erkunden… mal schauen wann die Südspitze des amerikanischen Kontinents vor dem Vorderrad auftaucht 🙂

Übrigens: Alle Bilder zu Mexiko gibt es hier!

Gefahrene Strecke: