Liebe Mya

Ich schreibe diese Zeilen bereits im tiefsten Sueden von Thailand und somit weit weg von dir. Unsere Zeit war leider viel zu kurz und wenn ich so zurueckdenke, dann habe ich dich fast ein bisschen Hals ueber Kopf verlassen. Nicht mal mehr die Strecke zurueck zum Grenzuebergang Mae Sot habe ich mit dem Fahrrad zurueckgelegt, sondern mit einem Nachtbus. Das naechste Mal moechte ich auf jeden Fall mehr Zeit mit dir verbringen – vor allem auch in deinem suedlichen Teil mit den vielen einsamen Straenden. Doch erst mal von Anfang an…

Bevor ich zu dir kam wusste ich bereits dass du der Rebell unter den suedostasiatischen Staaten bist. Ein Rebell mit Goldschmuck im Haar, denn deine unzaehligen goldene Pagoden welche ueber das ganze Land verstreut sind und meist hoch oben auf einem Berg stehen, glitzern bei jedem Sonnenuntergang wie Sterne welche ein paar Minuten zu frueh zum Vorschein kommen. Tagsueber jedoch koennen sie sehr blenden 😉
Ich erreichte dich ueber die Friendship Bridge von Thailand aus am 31. Maerz und somit am letzten Gueltigkeitstag des Visa’s. Bereits auf der Bruecke hast du mir klar gemacht, dass ab jetzt ein anderer Wind weht und du total anders bist als wie Thailand. Waehrend ich von weitem den Gebetsruf aus der Moschee hoere, wechselt der Verkehr von Links- auf Rechtsverkehr und auch die Fahrzeuge welche mir entgegen kommen sehen total anders aus wie in Thailand. Spaetestens nach der Passkontrolle zeigtest du mir wie genau du es mit den Verkehrsregeln nimmst, denn auf deinen Strassen tummelt sich einfach alles, was sich irgendwie bewegen kann. Eine technische Ueberpruefung oder irgendwelche Gesetze scheint es bei dir nicht zu geben, und so wird der Highway welcher von Thailand nach Yangon fuehrt mit allem moeglichen befahren. Neben mir tauchen Ochsenkarren, selbstgebastelte Fahrraeder, voellig ueberladene Lastwagen und irgendwelche andere Fahrzeuge auf, welche alle Mad Max Fahrzeuge langweilig erscheinen lassen. Crazy, aber es fuehlt sich trotz allem nicht unsicher an.

Auf den ersten Metern raus aus der Grenzstadt Myawaddi hast du mir dann auch schon bereits dein Herz geoeffnet – mit dem Laecheln und “Hello” Rufen deiner Bevoelkerung. Obwohl du dich bereits vor Jahren fuer den Tourismus geoeffnet hast, scheint es, als waeren Touristen noch immer eine Raritaet und ich geniesse schon fast einen Heldenstatus auf deinen Strassen.


Nach 5 Tagen im Sattel erreiche ich deine ehemalige Hauptstadt Yangon und somit auch mal wieder endliche eine Klimaanlage. Ich wusste ja dass du heiss bist, aber dass du im April so heiss werden kannst, haette ich nie fuer moeglich gehalten. Auf dem Weg dazwischen hast du mir aber auch deine etwas andere Seite gezeigt. Die deiner Vergangenheit, als noch das Militaer an der Macht war und die Gesetze schrieb. Denn zelten oder bei jemanden zuhause uebernachten ist bei dir strikt verboten. Stattdessen muessen Touristen jede Nacht in lizenzierten und absolut ueberteuerten Gaestehauser die Nacht verbringen. Das geht relativ gut, so lange man mit Bus oder Zug reist. Fuer Radreisende sind jedoch die Strecken zwischen den jeweiligen Gaestehauser teilweise einfach zu gross um sie an einem Tag zu schaffen. So kam ich dann auch gleich in der zweiten Nacht in die Situation mitten auf dem dunklen Land zu stehen und kein Gaestehaus weit und breit zu finden. Deine spirituelle Seite hat mir in diesem Moment ausgeholfen und freundliche Moenche oeffneten das Tor zu ihrem Tempel. Auf der restlichen Strecke nach Yangon hast du deine Gaestehauser gluecklicherweise gut gestreut.

Kollegen welche schon mal bei dir waren, haben dich immer als “Little India” beschrieben und in Yangon habe ich das erste Mal das Gefuehl, dass sie Recht haben koennen.

Deine Millionenstadt am Yangon River ist chaotisch, Dreck haueft sich in den Hinterstrassen, schwarzer Schimmel ueberziehen die Gebaude und die Strassen sind rot von den Betelnuessen, welche alle auf den Boden spucken. Und dennoch bin ich absolut fasziniert davon, denn wenn man mal die westlichen Standards weglaesst, dann sieht man die Schoenheit welche dahintersteckt.

Mya, bei dir spielen die menschlichen Werte noch eine wichtige Rolle und egal wo ich hinschaue, kann ich erkennen wie die Menschen sich gegenseitig helfen oder auch zusammen Spiele spielen. Die ganze Stadt wirkt viel mehr wie eine grosse Familie als wie eine Millionenmetropole – und das Beste, ich werde sofort mit offenen Armen in die Familie mit aufgenommen.

Per Zug fahre ich wenige Tage spaeter in dein spirituelles Zentrum. Bagan oder das Tal der tausend Tempel und Pagoden. Einen Ort, welcher dein ganzes Land weltweit widerspiegelt und der absolute Pflichtbesuch eines jeden Myanmar-Reisenden. Der Weg dorthin per Zug ist jedoch eher ein Witz. Ganz ehrlich Mya, in den ersten Minuten fand ich es ja noch lustig da ich sicher war, dass es spaetestens nach der Stadtgrenze besser wird. Aber als es auch nach 3 Stunden noch ruckelte wie auf einer Achterbahn, waehrend wir mit 30km/h ueber die verbogenen Schienen fuhren, wusste ich, dass es eine lange Fahrt werden wuerde.

Deine Kids, welche in den Vororten den Zug mit Wasserbomben beschmissen waren dabei noch eine lustige Abwechslung zu dem sonst so eintoenigen Klick Klack der Schienen. Echt Mya… investiere bitte etwas Geld deine Bahn 😉
Nach unglaublichen 19 Stunden Zugfahrt (oder 500 Kilometer), erreiche ich am naechsten Mittag Bagan wo ich die naechsten 4 Tage verbringen werde. Fotos sagen mehr als wie Worte, deswegen bitte schoen:

Zurueck in Yangon (mit dem Bus sind es nur 8 Stunden) komme ich dann auch gleich etwas in den Stress. In den naechsten Tagen findet das Water Festival statt und somit ist ganz Myanmar in dem Standby Modus. Abgesehen von Restaurant, Shops und Sehenswuerdigkeiten sind sogar Hotels und Transportunternehmen geschlossen und machen eine Reise unglaublich schwierig. Ich entscheide mich schweren Herzens einen Nachtbus zurueck zur Thailaendischen Grenze zu nehmen und von dort aus meine Reise in den Sueden fortzusetzen. Der zweitletzte Tag wird somit etwas zur Tortur, denn  ich schwanke zwischen den vergessenen und unentdeckten Straenden in Myanmars Sueden und der guten Infrastruktur sowie den besten Strassen Suedostasiens welche es so nur in Thailand gibt.

Mit dem Busticket in der Hand ist ein paar Stunden spaeter die Entscheidung besiegelt und so verlasse ich ein unglaubliches Land ueber den gleichen Grenzuebergang wie ich es etwas mehr als2 Wochen vorher betreten habe (einen absolute Raritaet!).

Also liebe Mya… wie ich es dir bereits am Anfang gesagt habe, unsere Zeit war viel zu kurz und ich verspreche dir bald zurueckzukehren, um deine Perlen im Sueden zu entdecken, um noch mehr von deinen liebevollen Menschen zu erfahren, um nochmals stundenlang ueber deine miesen Strassenzustaende fluchen zu koennen, um noch mehr von deinem Goldschmuck zu sehen und vor allem um dich nochmal so richtig spueren zu koennen – mit all deinen Ecken und Kanten. Du bleibst fuer mich immer der Rebell mit dem Goldschmuck im Haar, und ich stand schon immer etwas auf die Rebellen 😉

Liebe Gruesse aus Thailand
Martin

Gefahrene Route:

Alle Routen zum downloaden auf GPSies - imout_ch

2 Comments

  1. Fabian 2. Mai 2017

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