Gastbeitrag: Hell yeah!

Hell Yeah, Manmanman, Holy Shit, Boooom dMsnF (Insider kennen die Abkürzung), Baow Chickah Whau Whau und „Hey Dude, wo ist mein Roller?“….in etwa so lassen sich die vier Wochen Ferien in Thailand beschreiben. Nach etwa einer Woche in Thailand verabschiedet sich das gestresste, analytische, immer nachgrübelnde Gehirn und geht in den Standby-Modus. Dann meldet sich nach einer Ewigkeit das lang vergessene, kreative, schöpferische, philosophische und, seien wir ehrlich, sehr kindische Gehirn bei dir.
Es geht am Tag und in der Nacht nur noch darum was man spielt und was man isst. Und genau das sind doch Ferien. Wenn man diese neuen Denkgewohnheiten noch mit einem guten Freund in einem exotischen Land teilen kann, ist die Sache perfekt. Wir lebten meistens in den Tag hinein und hatten nicht so grosse Pläne. Und trotzdem; wir erlebten jeden Tag etwas Neues.
Nach Bangkok ging es zuerst mit dem Nachtbus in den Süden. Im Hafen nahe Chupong angekommen, ging aus auf ein Schiff, welches uns nach Koh Tao brachte. Die erste Insel unserer Reise ist landschaftlich sehr schön. Wenn man in den Hafen einfährt, fühlt es sich an wie in einem Bilderbuch-Paradies anzukommen. In Koh Tao erkundeten wir mit dem Roller am ersten Tag die Insel. Die 125ccm Honda´s gehen ab wie ein Zäpfli und wir erklimmen die schroff ansteigenden Hügel im Nu. Naja, nicht immer gerade im Nu. Die Strassen sind nämlich in etwa so wie bei uns vor 200 Jahren, als noch Kutschen fuhren. Der intensive Regen der vorherigen Tage verwandelten die Bergwege in kleine Flüsse. Furchen und kleine Krater entstehen dabei und man muss höllisch aufpassen nicht in so eine Falle zu fahren.
Am zweiten Tag gingen wir tauchen. Martin hat den Open Water von Padi und machte ein Refreshing. Für mich war es das erste Mal (tauchen). Wenn es etwas schwieriges gibt beim tauchen, dann ist es das abtauchen und das auspendeln der eigenen Dichte (damit man unter Wasser schwebt). Danach ist es wirklich ganz schön. Es ist eine andere Welt da unten. Ich stelle mir vor dass das Weltall ähnlich ist, nur langweiliger. Wir sahen sehr viele exotische Fische und Korallen.
Nach Koh Tao ging es mit dem Schiff weiter zur nächsten, südlich gelegenen Insel Koh Phanghan. Am Hafen von dieser, etwa doppelt so grossen Insel warten sehr viele junge Leute (20-30 Jahre alt) auf unser Schiff. Denn vor ca. 2 Tagen war hier die legendäre Fullmoon-Party. Unser Schiff fährt diese Leute weiter nach Koh Samui und dann ans Festland. Da wir die Unabhängigkeit lieben, mieteten wir als erstes ein Roller am Hafen (zufällig das gleiche Modell wie auf Koh Tao) und fuhren los um eine passende Bleibe zu finden. Im Reggae Village wurden wir fündig. Das Bungalow kostete hier 400 Baht pro Nacht (ca. 11 CHF). Auf Koh Phangan fuhren wir vorallem viel herum, denn es gibt auf dieser Insel viel zu entdecken.
Nach etwa 4 Tagen auf Koh Phangan reisten wir weiter in Richtung Süden, nach Koh Lanta. Auf dieser dritten Insel verbrachten wir die Weihnachtstage. Für uns beide bleibt das unsere Lieblingsinsel in Thailand. Hier könnte man wirklich hängen bleiben. Überall wird Reggae Musik gespielt, alle sind relaxt, es gibt eine Haupstrasse und parallel dazu praktisch einen zusammenhängenden langen Strand welcher von Nord nach Süd führt. Der Sonnenuntergang liegt somit immer über dem Ozean. Der Rest der Insel ist Dschungel. Im Norden liegt der Hauptort mit Hafen. Im Süden gibt es einen Nationalpark mit wilden Affen. Wild ist hier wortwörtlich gemeint J Ausserdem eignet sich diese Insel gut zum Schnorcheln und für Ausflüge auf unbewohnte, geschützte Inseln. Wir blieben dort 5 Nächte und somit 2 Nächte länger als geplant, weil es uns so gut gefiel.
Unser längster Transfer via Bus führte uns von dieser Insel nach Ayutthaya, mit Zwischenstopps in Krabi und Bangkok. Eigentlich wollten wir den Zug nehmen. Aber der ist in den Festtagen fast immer ausgebucht (an allen Abfahrtszeiten!).
Ayutthaya war mal die Hauptstadt von Thailand. Dann wurde diese von Burmesen überfallen. In den riesigen Tempelruinen sieht man die Spuren davon immer noch. Bei praktischen allen alten Buddha-Statuen fehlen die Köpfe. Nach diesem Krieg wurde die Ramadynastie gegründet und Bangkok wurde zum neuen Sitz des Königs (Rama 1) und somit als Hauptstadt gewählt. Heute ist der 10. König dieser Dynastie an der Macht. Die Tempelanlagen mit den dazugehörigen Parkanlagen sind sehr eindrücklich und eine Reise wert. Die Modelle vor den Tempelanlagen lassen erahnen wie prächtig diese waren. Eine freudige Überraschung erlebten wir in Ayutthaya als wir für unsere Weiterfahrt tatsächlich doch noch einen Nachtzug buchen konnten. Ich bin noch nie Nachtzug gefahren und was ich erlebte war eine freudige Überraschung. Ein Viererabteil wird in der Nacht zu einem Kajüttenbett umgewandelt. Die Liegefläche zwischen den Abteilwänden ist gerade etwa 1.80m lang. Wenn man sich aber diagonal auf die Fläche legt, den Vorhang auf beiden Seiten zuzieht, dann schläft man ausgezeichnet.
Als ich nach gut 5 Stunden Schlaf aufwachte schien bereits die Sonne durch das Fenster und wir hatten nur noch eine Stunde bis zur Endstation Chiang Mai. Im Vergleich zu den Nachtbusfahrten war dies eine sehr erholsame Fahrt. Leider verpassten wir es, am Bahnhof bereits einen Zug zurück nach Bangkok zu buchen. Wie gesagt ist der analytische Teil des Gehirns immer noch auf Standby 😉 Martin hatte sowieso noch einen Kater und brauchte mehrere Kaffees um auf Betriebstemperatur zu kommen. Also ab ins Hostel. Chiang Mai ist sozusagen die nördliche Hauptstadt Thailands. Obwohl hier nur etwa gleich so viele Leute wie in St. Gallen leben ist es doch die zweitgrösste Stadt Thailands. Der Altstadtkern ist ein Quadrat welches durch einen kleinen Fluss begrenzt wird. Hier führte zum Teil auch die Stadtmauer durch. In dieser Altstadt gibt es sehr viele Hostels, Cafes, Bars und Restaurants, nebst der einen oder anderen Tempelanlage. Perfekt um Silvester zu feiern. Und tatsächlich wird dieser Silvester mir lange in Erinnerung bleiben. Traditionell werden am Silvesterabend Lampions in die Luft gelassen. Auf die Papierhülle schreibt man sich die Wünsche fürs neue Jahr auf. Nachdem wir unseren Lampion steigen liessen begaben wir uns auf eine Rooftopbar und genossen beim Bier den schönen Anblick der hunderten von leuchtenden Lampions im wolkenlosen Nachthimmel. Mit etwa der Hälfte aller Gäste, welche uns völlig fremd waren, stossen wir an Mitternacht aufs neue Jahr an.
Als wir die Bar kurz darauf verliessen hatte Martin die Idee eine weitere Tradition in Thailand zu zelebrieren. In den Tempelanlagen gibt es immer eine grosse, ca. 20 Meter hohe, goldene Pagode. Am Fusse der Pagode sind Glocken angebracht. Alle Leute liefen einmal um die Pagode herum und schlugen dabei jede Glocke einmal an. Ich schätze es waren an die 80 Glocken die wir anschlugen. Das bedeutet einen Riesenlärm und einen Riesenspass für ca. 2 Minuten die wir für die Runde brauchten.
Nach Chiangmai ging es mit dem Nachtzug zurück nach Bangkok, wo wir nochmals das letzte Mal shoppen gingen und einen draufmachten, wie man so schön sagt.
Martin und ich verabschiedeten uns mit einem Gefühl der Wehmut und gleichermassen der Dankbarkeit. Danke Martin für die vier unvergesslich schönen, interessanten und erholsamen Wochen. Du warst mir ein guter Guide und bleibst mir ein guter Freund. Vielleicht treffen wir uns später auf deiner Reise wieder. Ich habe gehört Ecuador soll ein sehr schönes Land sein 🙂

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